Was ist das Berimbau?

Das Berimbau ist ein einfach aufgebautes Instrument, das dem Bogen sehr ähnelt. Es besteht aus einem langen, leicht biegsamen Stock (verga) und einem Draht, der die beiden Enden des Stocks verbindet (arame). Dazu kommt ein runder Klangkörper (cabaça), der mit einer Schlaufe über den gespannten Bogen gezogen ist. Die Saite wird mit einem dünnen Stock (baqueta) angeschlagen. Mit der anderen Hand wird ein Stein oder eine Münze (dobrão) an die Seite gehalten. Dadurch werden verschiedene Töne erzeugt. Außerdem hält die Hand die spielt noch eine kleine Rassel (caxixi).

Das Instrument hat eine Höhe von etwa 1,60 m und unterschiedlich große Klangkörper. In der Capoeira gibt es drei Größen bzw. Tonlagen:

Der gunga (oder berra-boi) mit dem größten Klangkörper erzeugt den tiefsten Ton. Er bestimmt den Rhythmus des Spiels und hat das Kommando über die Roda. In der Regel spielt die Person mit der höchsten Graduierung den gunga.

Der médio ist das Berimbau mit der mittelgroßen Cabaça. Er erzeugt eine mittlere Tonlage. Er steht zwischen den beiden anderen und unterstützt den gunga im Grundrhythmus.

Der viola ist das Berimbau mit dem kleinsten Klangkörper und der höchsten Tonlage. Neben dem Grundrhythmus spielt er immer wieder Variationen. Diese stechen durch den hellen Ton aus der Musik hervor.

Neben dem Namen Berimbau gibt es allein in Brasilien noch ca. 20 weitere Bezeichnungen für das Instrument. Diese sind zum Beispiel urucungo, marimbau, gobo oder aricongo. Die meisten dieser Namen stammen aus afrikanischen Stammessprachen wie quimbundo. Sie sind Beschreibungen des Klangkörpers. Das Wort Höhle ist eine der möglichen Übersetzungen. In Afrika ist das Berimbau vor allem unter den Namen hungo oder xitende bekannt. Es ist bis heute sehr verbreitet.

Das Berimbau ist viel älter als die Capoeira. Oft wird es durch die Capoeira mit Brasilien in Verbindung gebracht. Allerdings stammt das Instrument sehr wahrscheinlich aus Nordafrika und ist 15 000 bis 20 000 Jahre alt! Viele Forscher glauben sogar, es sei das älteste Instrument, dass der Mensch zum Erzeugen von Tönen benutzt hat! Nicht schlecht, oder? Diese Theorie wird durch zahlreiche Höhlenmalereien z.B. im Südosten Frankreichs und durch Überlieferungen der alten Ägypter, Perser oder Phönizier gestützt. In den verschiedensten Gegenden der Welt finden sich Instrumente, die vom Bogen abstammen. Dazu zählen New Mexico, Patagonien und besonders Nordafrika. Der Bogen zählt zu den ältesten Waffen des Menschen.  Es erscheint nicht falsch, dass daraus vermutlich das Berimbau als erstes Instrument entstand.

Das Berimbau in Brasilien

Mit den afrikanischen Sklaven gelangte im 16. Jahrhundert auch das Berimbau und das Wissen dazu nach Brasilien. In der Natur vor Ort fanden die Sklaven geeignete Materialien für das Instrument. Diese sind zum Beispiel das Holz biriba oder die Früchte des coyté oder Flaschenkürbis für die Klangkörper. Der Arame bestand damals noch aus Tiersehnen oder Pflanzenfasern. Anfangs, in den senzalas, wurde die Capoeira wahrscheinlich nur vom Klatschen und Trommeln begleitet. Das Berimbau kam erst viel später dazu. Möglicherweise wurde es bei rituellen Festen benutzt. Auch in den Riten der Candomblé-Religion, die ebenfalls in dieser Zeit entstand, kommt das Instrument vor.

Nach der Aufhebung der Sklaverei zogen viele ehemalige Sklaven in die Städte. Dort verdienten sie ihren Lebensunterhalt. Einige Quellen aus dieser Zeit berichten, dass damals häufig Händler oder Straßenverkäufer das Berimbau nutzten. Diese haben damit auf sich aufmerksam gemacht und Kunden angelockt. Sicher ist, dass das Instrument Bestandteil der Capoeira des 20. Jahrhunderts war. Erst durch die Capoeira wurde es weltbekannt. Die großen Meister der Capoeira entwickelten eigene Rhythmen sowie Kriterien, die beim Bauen eines Berimbaus Beachtung finden sollten. Das Berimbau ist untrennbar mit der Capoeira verbunden. Wer die Capoeira lernen will, kommt um das Berimbau nicht herum. Nicht umsonst wird das Berimbau von vielen die Seele der Capoeira genannt.